
Mein Apfelbaum ist erntereif. Er trägt nicht nur Äpfel – er biegt sich unter der Last der reifen Früchte. Kübelweise schüttelt sie der Wind herunter, zwischen die Brombeerranken, die Brennnesseln, sie rollen im Gras die Böschung nach unten, verteilen sich an die geheimsten Plätzchen des Gartens und warten – warten darauf eingesammelt zu werden und ihrer Bestimmung zugeführt zu werden, dem Zweck zu dem der Baum vor nun fast 40 Jahren von meinem Großvater gepflanzt wurde – mich zu nähren.
Also trete ich mein Erbe an und Ernte – ernte alles was geschenkt wurde, die winzigen, die wurmstichigen, die angeschlagenen genauso wie die makellosen großen süßen – alle. Ein Kübel Marillen wandert als Geschenk auch noch dazu.
Etwa 130 Kg Obst insgesamt, fünf Tage bin ich beschäftigt – etwa 40 Stunden (Küche putzen mitgezählt).
Das materielle Ergebnis meiner Obst - Hinterglas - Aktion:
15 Liter Apfelessig
30 Liter Apfelsaft
30 Kg Apfelkompott
5 Kg Marillenmarmelade
500 Gr. Apfelschalentee
Qualitativ betrachtet:
Apfelessig von der hohen Qualität ist nicht im Handel. (Ich lagere ihn einige Jahre bevor er vollreif zur Verwendung kommt)
Apfelsaft (Kompott) nur durch erhitzen haltbar gemacht, garantiert ohne Zusatzstoffe, Bio, Sortenrein und aus der Region – nicht im Handel.
Fazit – eigentlich unbezahlbar weil nicht zu bekommen.
(trotzdem) Mathematisch betrachtet:
Verkaufswert vergleichbarer Produkte im Handel € 393,-
- geschätzter Materialaufwand € 25,-
€ 368,-
40 Stunden Arbeit
= ein Stundenlohn von € 9,2
Spirituell betrachtet:
Ich habe genügend Nahrung zur Verfügung. Genug um immer wieder mit Übergewicht zu kämpfen. Bin ich mir dieses Privilegs wirklich bewusst? In einer Welt in der Menschen tagtäglich verhungern - ein kostbares Geschenk! Ich weiß leider nicht mehr von wem das folgende Zitat stammt, aber es passt einfach: "
Gottes Gaben werden in unseren Händen zu Aufgaben"
In dem Sinn war die Arbeit ein fünftägiges Gebet und die Nahrung dadurch gesegnet....

Ich muss zugeben ich bin selbst überrascht über das Ergebnis der Betrachtung und gestehe das ich die vielschichtigen Werte von selbstgemachtem deutlich unterschätzt habe!